Aktive 1: Erst gezittert, dann gezaubert: Langnau schiesst United mit 5:0 ab

Nach einer Stunde noch eine völlig offene Angelegenheit, am Ende ein diskussionsloser Kantersieg: Die erste Mannschaft des FC Langnau dreht gegen den FC United Zürich nach einer Stunde mächtig auf und gewinnt gleich mit 5:0. Weniger glücklich verläuft der Nachmittag für das Nachwuchsteam, das einen verdienten Sieg in letzter Sekunde noch aus der Hand gibt.

Die Rubrik «was läuft gerade auch noch im Verein» rundet die Rundschau diesmal ab.

 

Von Meisterträumen und der Realität der 4. Liga

Nach dem Spektakelsieg in buchstäblich letzter Sekunde gegen den FC Bosna Zürich und einem spielfreien Wochenende stand für die erste Mannschaft am Sonntag das Heimspiel gegen den FC United Zürich auf dem Programm.

United Zürich? Da war doch mal was. Richtig! Im Jahr 2010 lancierte der aus dem FC Fenerbahçe Zürich hervorgegangene Klub eine beispiellose PR-Kampagne und verkündete nicht weniger als das ambitionierte Ziel, im Jahr 2018 Schweizer Fussballmeister zu werden. Tatsächlich führte der Weg von der 4. Liga bis 2016 immerhin in die Promotion League, die dritthöchste Spielklasse der Schweiz. Danach versuchte man sich noch als Auffangbecken für vertragslose Profifussballer, die sich über United für höhere Aufgaben empfehlen sollten. Doch auch dieses Projekt verlief im Sand. Fortan ging es Stufe um Stufe wieder abwärts. Heute ist United Zürich wieder dort angekommen, wo die grosse Reise einst begonnen hatte: in der 4. Liga, der achthöchsten Spielklasse des Schweizer Fussballs. Von den einstigen Meisterträumen ist nicht mehr viel übrig geblieben.

Esposito hält Langnau im Spiel

Zurück in die Gegenwart. Wer angesichts des späteren Schlussresultats einen Langnauer Spaziergang vermutet, liegt gründlich daneben. Denn während einer guten Stunde deutete herzlich wenig auf einen derart deutlichen Ausgang hin. Die Partie plätscherte über weite Strecken vor sich hin, und es waren die Gäste, die dem Führungstreffer deutlich näher kamen.

Dass es zur Pause noch 0:0 stand, war vor allem einem Mann zu verdanken: Esposito. Der Langnauer Schlussmann erwischte einen absoluten Sahnetag. Nach einer halben Stunde parierte er einen streng gepfiffenen Elfmeter mirakulös, war auch beim Nachschuss hellwach zur Stelle und vereitelte wenig später eine weitere hochkarätige Möglichkeit der Gäste.

Auf der anderen Seite fehlte den Langnauern in der offensiven Zone lange die zündende Idee. Zu wenig Durchschlagskraft, zu wenig Präzision und zu selten jene Entschlossenheit, die es braucht, um eine gegnerische Defensive ernsthaft in Verlegenheit zu bringen. Ein torloses Remis schien zu diesem Zeitpunkt jedenfalls wahrscheinlicher als ein Schützenfest.

Meka kommt und plötzlich läuft die Tormaschine

Doch dann kam die 60. Minute. Und mit ihr Meka.

 

Mit seiner Einwechslung ging ein regelrechter Ruck durch die Mannschaft. Plötzlich war Tempo im Spiel, plötzlich stimmten die Laufwege, plötzlich wurden Chancen kreiert. Die Langnauer wirkten wie verwandelt.

Den Anfang machte Alizade. Sein strammer Abschluss von der Strafraumgrenze war für den Gästetorhüter zu wuchtig. Dieser konnte den Ball nur noch nach oben abwehren, von wo er sich über ihn hinweg ins Tor senkte. Ein etwas kurioser Treffer, aber genau jener Dosenöffner, den die Hausherren gebraucht hatten.

Was nun folgte, war eine regelrechte Langnauer Torlawine. Unter der Regie des eingewechselten Meka erspielten sich die Gastgeber Chancen beinahe im Minutentakt. Die zuvor so harmlos wirkende Offensive war plötzlich nicht mehr zu bremsen. Sabatella mit einem Doppelpack, Ismajlaj und L. Sansone sorgten innerhalb von nur einer Viertelstunde dafür, dass aus einer lange ausgeglichenen Partie ein komfortabler 5:0-Sieg wurde.

Die Spitze rückt noch enger zusammen

Besonders wertvoll ist dieser Erfolg mit Blick auf die Tabelle. Denn der bislang ungeschlagene Leader Benfica Zurique liess auf dem Moos in Rüschlikon etwas überraschend Federn. Damit rückt die Spitzengruppe noch enger zusammen: Gerade einmal drei Punkte trennen die ersten vier Mannschaften, zu denen auch der FC Langnau gehört.

Für Spannung ist also gesorgt. Und das Restprogramm hat es in sich: Mit den beiden Nachbarschaftsderbys gegen Adliswil und Wollishofen sowie dem Direktduell gegen das ebenfalls zu den Top vier gehörende Brasil Suisse warten auf die Mannen von Trainer Gonzalez noch drei echte Knacknüsse.

Wer in dieser ausgeglichenen Gruppe am Ende ganz vorne stehen will, muss sich seine Punkte verdienen. Langnau hat am Sonntag zumindest eindrücklich gezeigt, dass man gewillt ist, im Kampf um die vorderen Plätze ein gewichtiges Wort mitzureden.

Team Nachwuchs: Zwei Punkte in letzter Sekunde verschenkt

Einen deutlich bittereren Nachmittag erlebte anschliessend das Nachwuchsteam von Trainer Thoma.

Dabei hatten die Langnauer über weite Strecken vieles richtig gemacht. Mit guter Raumaufteilung, gepflegtem Spielaufbau und viel Spielfreude setzten die Hausherren bereits in der ersten Halbzeit immer wieder Nadelstiche vor dem gegnerischen Tor. Einzig der verdiente Treffer wollte zunächst noch nicht fallen.

Das änderte sich nach dem Seitenwechsel. In der 52. Minute war es L. Sansone, der die Langnauer endlich in Führung brachte und damit für die längst verdiente Belohnung sorgte.

Als Belide, von Menini herrlich lanciert, zehn Minuten vor Schluss gar auf 2:0 erhöhte, schien die Sache gelaufen. Die Freude war gross, die Überlegenheit deutlich und der Dreier zum Greifen nah.

Doch Fussball kann bekanntlich grausam sein.

Nach einem Eckball gelang den Gästen zunächst der Anschlusstreffer. Und als die Langnauer den Sieg bereits vor Augen hatten, folgte kurz vor Ablauf der Nachspielzeit mit einem Sonntagsschuss auch noch der Ausgleich.

2:2 statt 2:0. Zwei Punkte, die man angesichts des Spielverlaufs eigentlich längst auf sicher geglaubt hatte, waren plötzlich weg. Ein äusserst schmeichelhafter Punktgewinn für die Gäste und eine bittere Pille für die junge Langnauer Mannschaft, die sich für einen über weite Strecken guten Auftritt nicht mit dem verdienten Vollerfolg belohnen konnte.

Zwei Auswärtsspiele und viel steht auf dem Spiel

Lange Zeit, dem verpassten Sieg nachzutrauern, bleibt dem Nachwuchs allerdings nicht. Bereits am kommenden Sonntag wartet mit dem bislang noch punktelosen Feusisberg-Schindellegi die nächste Aufgabe. Mit einem Sieg könnten die Langnauer ihren Vorsprung auf diesen Gegner auf komfortable zehn Punkte ausbauen. Eine Gelegenheit, die man sich nicht entgehen lassen sollte.

Auch für die erste Mannschaft geht es in der Fremde um wichtige Zähler im Kampf um die Spitzenplätze.

Es ist also angerichtet für einen weiteren spannenden Fussballsonntag. Beide Aktivteams freuen sich über möglichst zahlreiche Langnauer Unterstützung bei ihren Auswärtsspielen.

Hopp Langnau! Martin Jud